GESCHICHTE DER OSTEOPATHIE

Der amerikanische Arzt, Andrew Taylor Still gilt als Begründer der Osteopathie. Er wurde 1828 in Lee County, Virginia geboren und lebte mit seiner Familie im mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Sein Leben, geprägt vom damaligen Zeitgeist, seiner Liebe zur Natur, seinem Glauben und schweren Schicksalsschlägen veranlassten ihn nach einer neuen, von seiner Zeit abweichenden Medizin zu suchen.

Diese Suche war geprägt von unterschiedlichsten Denk- und Behandlungsansätzen. So erlernte er u. a. das Einrenken (bonsetting), beschäftigte sich mit Phytomedizin, Schamanismus der Shawnee Indianer oder ging bei Geistheilern, bei Spiritualisten oder Magnetiseuren in die Lehre. Still ging es darum zu erfahren ob und warum diese Therapeuten ihre Erfolge hatten.

Intensiv studierte er die Anatomie des menschlichen Körpers. Mit all diesen vielfältigen Beschäftigungen, mit den unterschiedlichsten Strömungen und Quellen entwickelte er die Idee, dass Fehlsteuerungen in Zirkulation, in myofaszialen Strukturen und in Nervenimpulsen zur eigentlichen Krankheit beitragen.

Auf der Grundlage von diesem Gedanken entwickelte Andrew Taylor Still eine äußerst effiziente Behandlungsmethode und nannte sie Osteopathie.

 A. T. Still: „Die Therapie basiert auf dem Verständnis der Basisprinzipien von Ganzheit, Selbstregulierung und gegenseitiger Beeinflussung von Struktur und Funktion.“

 Philosophie der Osteopathie

 „…ein Osteopath sollte ein klardenkender, gewissenhafter, wahrheitsliebender Mensch sein, der erst redet, wenn er weiß, dass er die Wahrheit gefunden hat, die er zu wissen vorgibt und sie auch praktisch beweisen kann.“

EINE DEFINITION VON OSTEOPATHIE

Osteopathie ist das Umsetzen der osteopathischen Philosophie in einer manuellen Diagnose und Behandlungskonzept bei dem die Person und nicht die Krankheit im Vordergrund steht. Körper, Geist und Seele sind in ständiger Wechselwirkung, sowie alle Systeme des Körpers untrennbar miteinander zu betrachten sind. Es ist eine ganzheitliche Herangehensweise mit dem Ziel, die Autoregulation des Organismus anzuregen. Philosophie der Osteopathie„…

A.T. Still: „Gesundheit finden ist die Aufgabe des Behandlers, Krankheit kann Jeder finden“

DIE DREI GRUNDPFEILER DER OSTEOPATHIE

Viszerale Osteopathie

In der viszeralen Osteopathie werden die inneren Organe, sowie ihre umgebenden Strukturen auf Mobilität und Motilität hin untersucht und behandelt. 

Durch Fehlfunktionen der Organhüllen, äußere Einwirkungen, wie Fehlhaltungen, Narben und Entzündungen können diese in Beweglichkeit und Rhythmus gestört werden. 

Durch Verspannungen, Verklebungen und Überlastungsphänomenen kann es je nach Region oder Organ zu dementsprechenden Dysfunktionen kommen. Beispielsweise ist die Senkung der Blase, des Uterus oder der Niere mit Auswirkungen wie Zyklusstörungen bis hin zu einer Inkontinenz verbunden.

Durch die Behandlung dieser Strukturen, besteht die Möglichkeit, der Wiederherstellung von Gleitfähigkeiten und der Mobilität, damit wäre die Grundlage gelegt für Balance, Regeneration, Selbstheilung und das Lösen von Verspannungen und Fehlhaltungen des äußeren Muskelapparats.

Parietale Osteopathie

Bei der Parietalen Osteopathie werden Gelenke, Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien auf Bewegungseinschränkungen untersucht und behandelt.

Sie ermöglicht es Störungen im Stütz und Bewegungsapparat zu finden und auszugleichen. Bereits der Begründer stellte fest, dass er die Selbstheilungskräfte des Körpers anregen konnte, indem er Gelenkblockaden löste, die Beweglichkeit herstellte und das propriozeptive Feedback ausbalancierte.

Ein fundiertes Wissen über Strukturen und Funktionen des Bewegungsapparates ermöglicht es Dysfunktionen zu diagnostizieren, denn häufig ist die Region der Symptome nicht identisch mit dem Ort der Ursache. Zum Beispiel kann eine Dysfunktion der Halswirbelsäule zu Schwindel oder Ohrgeräuschen führen.

Verschiedene Techniken kommen zum Einsatz, beispielsweise Muskelenergie-Techniken, GOT, FDM, Mobilisation und Manipulation. Durch das Lösen der Dysfunktionen in den Gelenken, Muskeln und im Bindegewebe lösen sich die Verspannungen und Verklebungen. Wenn die Behandlung gelingt, kann der Körper in eine gesunde und schmerzfreie Körperhaltung zurückfinden.

Craniale Osteopathie

In der cranialen Osteopathie werden feine Bewegungen der Schädelknochen, des Kreuzbeins und der dazugehörigen Bindegewebshäute untersucht und behandelt. 

Der im Schädel und der Wirbelsäule enthaltene Liquor ist für die Entwicklung, Funktionsfähigkeit und das Wachstum des Gehirns notwendig. Er leitet wichtige Nährstoffe zum Gehirn und an die Nerven weiter. Das Ziel ist den freien Fluss der Flüssigkeitssysteme vom Schädel über die Wirbelsäule bis hinunter zum Kreuzbein anzuregen bzw. bei Störungen wiederherzustellen.

Die Theorie der cranialen Osteopathie geht davon aus, dass es neben Atemrhythmus und Puls noch andere körpereigene Rhythmen gibt, der sogenannte PRM (primär respiratorische Mechanismus). Dieser kann als Diagnosemittel genutzt werden. Eine Veränderung steht unter Umständen in Zusammenhang mit unserem Hormonhaushalt, Immunsystem, Atmung und Nervensystem. 

Störungen im craniosacralen System können sich beispielsweise in Migräne, Rückenschmerzen, oder auch in einer Immunschwäche äußern. Entsprechende Störungen können durch Zahnbehandlungen, Verspannungen, Stress oder Unfälle ausgelöst werden. 

Die Behandlung wirkt sich auf den gesamten Organismus aus. So ist es möglich, in ganz unterschiedlichen Bereichen des Körpers gleichzeitig Wirkungen zu erzielen.

W. G. Sutherland: „Ein Osteopath arbeitet mit fühlenden, sehenden, denkenden und wissenden Händen.“